Kiss auf der Höhe des Erfolgs. 1976 verkauft sich der neue Output Destroyer wie geschnitten Brot. Das vierte Studio-Scheibchen bringt unglaublich viele Neuerungen in die Hardrockszene. Kinderchor, rückwärts eingespielte Drumläufe, Violinenklänge. Alles großartig im Hause der Maskenmänner?
Fragt Frehley. „Ich fühle mich mit der Scheibe nicht verbunden“, ist seine Antwort. Es sind ausgerechnet viele der Gitarrenparts, die Frehley schwer im Magen liegen. „Ich hatte mit dem Solo schlicht nichts zu tun“, schreibt er in seiner aktuellen Biografie Keine Kompromisse (Seite 143 ff.). Gemeint ist der Track Detroit Rock City, für dessen Gitarrenparts Produzent Bob Ezrin seinerzeit verantwortlich zeichnete. Der Spaceman spielt hier nur, was ihm aufgetragen wurde.
Frehley hängt zu jener Zeit zu sehr im Sumpf von Alkohol, Drogen und Exzessen, als dass er eine stabile Größe bei der Plattenaufnahme sein konnte. Gerade erst ist sein damaliger Dealer erschossen worden, und Ace lässt sich von seinen Süchten leiten, nicht von der Musik. „Ich erinnere mich ungern an die Aufnahmen“, sagt er offen. Ezrin droht offen mit dem Einsatz von Leihgitarristen. Der Produzent droht nicht nur, er setzt es vielfach in die Tat um.
Detroit Rock City ist nicht nur ein Klassiker des Kiss-Katalogs, sondern fast auch ein Hit-Verhinderer. Auf der B-Seite wurde zunächst Beth versteckt. Die Ballade von Peter Criss (später ein Platz-7-Hit in den USA) erlangt nur deshalb große Bedeutung, weil DJs sie einfach andauernd spielen. Auch hier verneigt Frehley sich rückblickend vor dem Produzenten. Bob Ezrin will Streicher und Klavier in dem Stück, und er setzt sie durch.
Die Methoden bei der Aufnahme sind durchaus gewöhnungsbedürftig. Der Produzent bringt Trillerpfeife mit ins Studio, schlägt mit einem Drumstick auf das Mikro, das er zuvor mit einer Pappschachtel verhüllt hat. Einpeitscherszenen in einem Kreis illustrer Showgrößen, von denen keine die 30 erreicht hat.
Dennoch hat der Space-Man gut 35 Jahre nach Veröffentlichung von Destroyer, das jetzt als Rerelease mit neuen Tonspuren und aus den Archiven gekramtem Gitarren-Solo im Bonus-Track Sweet Pain vorliegt, seinen Frieden gemacht. Ace sagt am Ende, Destroyer sei objektiv betrachtet eine der besten Scheiben der Band. Zugleich reift der Entschluss für seinen ersten Ausstieg bei den Kommerzkönigen Kiss. Ist doch großartig.
Die CD
…erscheint seit Freitag (17. August 2012) über Universal Music als Wiederveröffentlichung mit dem Bonus-Track Sweet Pain, auf dem ein anderes Gitarrensolo zu hören ist. Das Album-Cover ist das ursprünglich 1976 vorgesehene: Es ist braun, und Kiss ist (im Alive!-Kostüm) über den Ruinen einer brennenden Stadt zu sehen. Diese „harte“ Idee wurde seinerzeit zugunsten einer milderen, blauen Variante mit Kiss als Comic-Figuren aufgegeben.
1. Detroit Rock City
2. King Of The Night Time World
3. God Of Thunder
4. Great Expectations
5. Flaming Youth
6. Sweet Pain
7. Shout It Out Loud
8. Beth
9. Do You Love Me?
10. Sweet Pain (Original Guitar Solo)
Die Band
…in der Aufstellung von Destroyer:
Gene Simmons – Bass, Gesang
Paul Stanley – Rhythmusgitarre, Gesang
Ace Frehley – Lead-Gitarre, Gesang
Peter Criss – Schlagzeug, Gesang
Die Netzangebote
Kiss ist hier im Netz zu Hause.
Ace Frehleys Biografie Keine Kompromisse ist hier im Blog besprochen.
